Paul

Pauls erster „Schultag“ oder Hundeerziehung nach Eva-Windisch-Art

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Was es doch ausmacht, wenn man auf die richtigen Menschen trifft, oft findet man sich sogar ohne zu suchen! Letztes Jahr hätte ich gar nicht gewusst, wonach ich suchen soll, als ich ein wenig Bauchschmerzen hatte, wir könnten den Bedürfnissen unseres Hundes nicht gewachsen sein. Rein zufällig sind wir durch ein Tierheim wie die Jungfrau zum Kinde zu unserem Hovawart-Welpen gekommen. Von der Rasse hatte ich vorher noch nichts gehört. Laut weitläufiger Auffassung ist der Hovawart eine große Herausforderung, bis er endlich auf dem rechten Pfad der Tugend wandelt. Man kann schon mal ehrfürchtig werden, zumal ein Hovawart mitunter weit über 40 Kilo auf die Waage bringen kann… Glücklicherweise unserer nicht, wir haben eine zierliche Ausführung…

Mal ganz ehrlich: Sieht so ein Monster aus?

Ich gebe zu, ich habe Rat bei Facebook gesucht, war also selbst daran Schuld, dass ich Informationen erhalten habe, die meine persönliche und intuitive Auffassung von Hundeerziehung in Frage gestellt haben. Kein Wunder, denn dort tummeln sich Züchter, Vereinsmitglieder und viele andere selbsternannte Experten. Aber: wenn man lange genug sucht, vielleicht auch ein wenig beratungsresistent ist, von Gehorsamkeitstraining bin ich so weit entfernt, wie die Sonne von der Erde, dann findet man auch die Stecknadel im Heuhaufen! Ich habe sie gefunden, die Hundetrainerin Eva Windisch, die mir aus dem Herzen sprach mit all ihren Facebook-Beiträgen bezüglich einer freundschaftlichen Hundeerziehung! Heute bin ich erleichtert, dass ich meiner antiautoritären Art der Erziehung treu geblieben bin. Wenngleich unser Stil nicht wirklich ausgereift war und wir für zwei Bereiche professioneller Hilfe bedurften: Tischmanieren und Hundebegegnungen…

Pauls Verhalten bei Tisch

Der Reihe nach. Wir sind stolz auf unseren Paul, fast 17 Monate alt! Das haben wir bis jetzt ganz gut mit ihm hinbekommen, ohne Welpen- oder Hundeschule. Kein Wunder, wir verbringen sehr viel und sehr gerne Zeit mit unserem Hund und wie wir alle wissen, Liebe ist der beste Lehrer.
Paul ist ein sehr freundlicher Hund und voller Freude. Wir können entspannt ohne Leine spazieren gehen, Paul bewegt sich in einem überschaubaren Radius, so dass er gut abrufbar ist. Er ist neugierig in gesundem Maße abenteuerlustig und sehr verträglich mit anderen Hunden. Er ist auch sehr gerne gesehen bei den meisten anderen Hundebesitzern. Er fährt gerne Auto, alles ist sehr unkompliziert mit ihm.

Paul bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Betteln

Trotzdem hat sich die ein oder andere Unwegsamkeit eingeschlichen und mit unserem autodidaktischen Repertoire an Erziehungsmethoden sind wir an unsere Grenzen gestoßen: Paul ist den kulinarischen Genüssen mehr als zugewandt, sieht unser Essen als seins an, bettelt nicht lange und nimmt sich alles, was für ihn erreichbar ist. Sei es in der Küche oder vom Esstisch.
Das machte die gemütlichen Essen am Tisch in letzter Zeit etwas unentspannt, Tischdecken ohne Wachpersonal wurde ein Spießrutenlauf.

Pauls Lieblingsplatz: der Esszimmertisch

Wir haben es mit einem bestimmten NEIN versucht, auch ein wenig geschimpft – was bei uns eben so schimpfen heißt… Hat nichts genutzt, beeindruckt hat es ihn nicht. Mein Mann konnte Paul ganz schnell beibringen auf dem Sofa, hinter unserem Tisch Platz zu nehmen. Bedingung, alle paar Minuten musste eine Leckerei rüber wachsen, sonst wurde der Unmut bellend kund getan. Stress fürs Herrchen.
Wurde Pauls Einfordern zu heftig oder hat er vom Tisch gestohlen, haben wir ihn ins Gäste-WC getragen und dort musste er verweilen, bis wir fertig gegessen hatten. Das war aber mittlerweile seine Chill-Out-Area geworden, er lag dort ganz entspannt, wenn wir ihn wieder holten. Hat er gestohlen, wenn wir kurz das Zimmer verlassen hatten, schlenderte er schon von alleine in sein Exil. Eigentlich süß und natürlich mussten wir lachen. Kein Wunder, dass Paul den Ernst der Lage nicht erkannte. Schlimm? Nicht wirklich…

Treffen sich zwei Hunde an der Leine…

Leinenbegegnungen scheinen ein weitläufiges Problem zu sein, waren wir von unseren Hunden vor Paul so nicht gewohnt. Ist auch ein viel diskutiertes Thema in den Hovawart-Facebook-Gruppen und allgemein im Hundetraining.
Meine Theorie: es liegt an Pauls Kampfgewicht von 33 Kilo, die er in den Ring wirft. Erst seit er vor einigen Wochen in die Pubertät gekommen ist, bekamen wir dieses Problem. Vorher blieb er entspannt, wenn ein anderer Hund, ebenso an der Leine, ihn anpöbelte. Irgendwann fing er an, sich zu wehren und ein kleiner Teufelskreis setzte sich in Gang. Ich geriet in die Krise, wenn ich schon von weitem einen Hund uns entgegenkommen sah und wir keine Ausweichmöglichkeit hatten. Wie sollte ich denn da meine positive Energie über die Leine an Paul übertragen? Das ist zumindest der Ansatz vieler Trainer… Irgendwie haben wir diese Situationen schadlos überstanden, aber alles andere als entspannt und souverän…

So entspannt laufen Hundebegegnungen an der Leine normalerweise nicht ab.

Wir fühlten uns ein wenig wie in einer Sackgasse. Ich hatte bereits mehrfach auf Eva Windischs Website nachgelesen, was in dieser Situation zu tun ist, aber wir kamen nicht wirklich weiter…

Privat-Audienz bei Eva Windisch

Keine Ahnung, warum ich so lange gewartet habe, einen persönlichen Termin mit Eva Windisch zu machen. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass es so schnell und unkompliziert funktioniert. Allerdings waren wir flexibel und der Starnberger See ist nicht allzu weit von Neuburg an der Donau entfernt.
Es hätte die Möglichkeit gegeben, dass sie mit ihrem Wohnmobil zu uns kommt. Aber ihre Gegebenheiten vor Ort sind perfekt, das hätten wir so gut gar nicht organisieren können. Wir konnten uns voll und ganz auf unser Training mit Paul konzentrieren. Bei dieser Gelegenheit gleich mal wieder eine neue Umgebung, in der Paul sich zurecht finden musste, neue Menschen, Tiere, die er so noch nie gesehen hat…

Eva Windisch und ihre vier Hunde on Tour

Wir haben uns auf der Straße getroffen. Nach anderthalb Stunden Fahrt. Eva Windisch hatte uns draußen vor ihrem Tor erwartet. Schon waren wir mittendrin, in unserer ersten Lektion! Denn Paul fing zu bellen an, als er seine neue Lehrerin sah, zerrte an der Leine und wollte an ihr hochspringen.
Das macht Paul übrigens sehr gerne, bellen, wenn wir an der Leine Begegnungen haben, kurz stehen bleiben möchten, um ein paar Worte zu wechseln. Ich bin dann unentspannt, weil ich möchte, dass Paul als braver, ausgeglichener Hund rüberkommt, der er in Wirklichkeit auch ist. In diesen Momenten ist der Eindruck aber ein ganz anderer. Ich sehe die mitleidigen Blicke der „Hundeexperten“, die mir sagen wollen, dass ich meinen Hund nach sage und schreibe 17 Monaten immer noch nicht im Griff habe, ich viel stärker durchgreifen müsse und dass Paul mir auf der Nase herum tanzt… Ich möchte gleich weitergehen, verfluche insgeheim die Begegnung und wäre mit meinem Paulchen am liebsten ganz alleine. Denn dann funktioniert alles immer ganz hervorragend…
Ein Wunder, dass Paul hier nicht artig ist? Nein, ganz und gar nicht! Ich bin es, deren unentspannte Schwingungen er über die Leine aufnimmt. Und gerade das liebe ich doch so an ihm, dass er so unglaublich sensibel und emotional intelligent ist. Meine Hündin vor Paul hat das anders kompensiert. Wenn sie gemerkt hat, dass ich unsicher und nervös bin, hat sie sich zurückgezogen und mich in Ruhe gelassen. Paul ist anders und stößt mich mit der Nase auf MEINE Baustellen. Aber nur so kann ich lernen und mich weiter entwickeln. Danke, Paul!

So waren wir also mittendrin in Pauls erstem Tag in der Hundeschule! Das war das positive Vorzeichen für zwei unglaublich lehrreiche, hochspannende und magische Tage mit Eva Windisch! Voller Glück stand ich auf der Straße und war Paul so dankbar, dass er einfach er selbst war und seine aktuelle Befindlichkeit über das Bellen äußerte. Nur so lernt man und das wollte ich mit all meinen Sinnen!

Leinenbegegnungen mit Mensch und Hund managen


Was also tun? Als erstes tauschte Eva Windisch unsere längenverstellbare Leine gegen eine simple 1-Meter-Leine und eine Schlaufe aus. So kann man seinen Hund am sichersten durch viele Situationen steuern.

So führt man seinen Hund am sichersten: mit der 1-Meter-Leine und einer Schlaufe

In diesem Fall ist es ein spontanes Treffen auf der Straße. Man steht locker mit hängenden Armen und hat seinen Hund an der Leine. Der maximale Bewegungsspielraum ist ausgeschöpft, wenn der Arm ausgestreckt ist. In diesem Abstand sollte man dann auch zu seinem Gegenüber stehen, damit der Hund nicht hochspringen kann. Nun ist es an uns unseren Hund in die Ruhe zu bringen. Einfach, in dem wir es ihm vorleben. Wir freuen uns, weil wir jemanden getroffen haben, unterhalten uns angeregt und nach und nach sind wir in einer entspannten Unterhaltung angekommen. Paul hat das bereits nach ein paar Minuten übernommen, zuerst das Bellen eingestellt, lag irgendwann ganz relaxt zu unseren Füßen. Wir standen noch eine halbe Stunde, haben von Paul erzählt, den Tagesablauf besprochen und sind schließlich entspannt zu viert in unser Programm gestartet.

Ist der Mensch entspannt, ist es auch der Hund

Zu Fuß ging es durch Eva Windischs pittoresken Wohnort Icking, nahe des Starnberger Sees. Vorbei an vielen Bauernhöfen und deren menschlichen und tierischen Bewohnern. Paul war durch sein anfängliches Nickerchen, Eva Windischs ruhige Art und unseren Wohlfühlmodus sehr konzentriert, neugierig und voller Interesse. Erhobener, wedelnder Schweif, hier und da neue Gerüche inhalierend… Inne haltend beim Anblick einer Horde aufmüpfiger Nandus. Und ich immer komplett beruhigt, weil ich unsere Trainerin an unserer Seite hatte! Spätestens hier wird klar, Lesen alleine reicht nicht! Wie oft bin ich auf Eva Windischs Website und lese von ihrer Herangehensweise oder sehe mir ihre Videos an. Aber es ist etwas ganz anderes, in der Situation von ihr gecoacht zu werden! Das kann man gar nicht oft genug üben!

Eva Windisch und Paul – alles entspannt

Bei den Nandus war es so, dass Paul durch deren Kampfeslust natürlich aufgestachelt war. Jetzt sollte ich Pauls Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Ein freundliches „Paul, schau mal“, gleichzeitig mit der Führhand und der Handfläche nach oben Paul einladen, zu mir zu kommen und langsam rückwärts gehen, um so einen sicheren Abstand zu bekommen. Selbstverständlich dabei nicht an der Leine zerren. Es folgen liebevolle Komplimente und ganz viele Leckerchen. An der kurzen Schlaufe und Geschichten erzählend fröhlich den Spaziergang fortsetzen. So managt man auch Leinenbegegnungen mit anderen Hunden. Der Mensch dabei immer zwischen der „Gefahrenstelle“ und dem eigenen Liebling.

Ich hoffe, dass ich das richtig erklärt habe. Denn ich bin so ein ganz kleiner Bewegungslegastheniker. Folgen mehrere Abläufe hintereinander, gerate ich gerne durcheinander. Liebe Eva, wenn ich das nicht mehr richtig in Erinnerung habe, mich bitte sehr gerne in den Kommentaren verbessern.

Es scheint aber zu funktionieren! Leider passieren Leinenbegegnungen nicht allzu oft, so dass wir es nicht ständig üben können. Ich habe aber das sichere Gefühl, dass es nach jedem energiegeladenen Treffen besser wird. Paul kommt sehr viel schneller wieder in die Spur und beruhigt sich. Meine Euphorie in Form überschwenglicher Lobeshymnen auf meinen großartigen Paul, überträgt sich. Genau wie mein immer noch anfänglicher Horror, dass uns schon wieder ein Hund entgegen kommt.

Leine oder keine Leine – das ist hier die Frage

Als hätte das Schicksal es gewusst, dass ich gerade diesen Beitrag verfasse, erzähle ich ganz kurz von unser gerade absolvierten Gassirunde. Durch einen kleinen, schattigen Park. Von einem für mich sehr freudigem Erlebnis und einer wichtigen Erfahrung!
Letztes Jahr um diese Zeit, sind wir manchmal einer sympathischen Frau mit ihrem kleinen Mischlingshund begegnet. Wir haben unsere beiden dann eine Weile ohne Leine miteinander spielen lassen. Sehr harmonisch. Vor einigen Wochen haben wir nach langer Pause diesen Hund, dieses Mal mit seinem Herrchen, wieder getroffen. Beide an der Leine. Ich habe mich erschrocken, wie böse beide aufeinander reagiert haben. Später ist es meinem Mann passiert. Als er mit Paul von einem Spaziergang zurückkam, erzählte er mir von eben diesem Hund und einem sehr unerfreulichen Zusammentreffen. Mein Mann kann sehr überzeugend und dramatisch sein und meinte, dass er seine Hand nicht für Paul ins Feuer gelegt hätte, wenn er ihn von der Leine gelassen hätte.

Schulnote 1 für Pauls soziales Verhalten mit seinen Artgenossen

Sagt man ja gerne, dass man nicht in den Kopf eines Hundes schauen könne… Doch, ICH kann es. Ich kannte alle meine Hunde immer sehr genau. Stärken sowie Schwächen. Ich wurde nie enttäuscht. Dass alle meine Hunde und jetzt Paul nicht gefährlich waren oder sind, das weiß ich! Weil ich nie von ihnen getrennt bin, sie alle bereits als Welpe adoptiert habe. Ich weiß daher, was meinen Hund erfreut, was ihn stresst oder was ihn gar traumatisiert haben könnte.
Ich bin eben diesem Hund, jetzt gerade wieder mit seinem Frauchen, begegnet. Paul an der Leine, der andere Hund nicht. Ich habe Paul ohne zu zögern auch von der Leine gelassen und siehe da, die beiden haben gespielt wie eh und je! Richtig glücklich war ich! Das war eine sehr schöne Erfahrung für mich. Besonders das sich anschließende Gespräch mit dem Frauchen des anderen Hundes. Sie bestätigte, dass ihr Mann immer sehr angespannt und ängstlich sei, wenn er mit dem Hund spazieren geht. Sie weiß also, dass das Problem immer am anderen Ende der Leine liegt und wie man es richtig macht!

Freund oder Feind? Im Notfall kann jeder weiter seines Weges ziehen

Von Eva Windisch weiß ich, dass Leinenbegegnungen deshalb problematisch sein können, weil die Leine das natürliche Fluchtverhalten behindert. Man beschnuppert sich kurz, mag sich nicht und schon nimmt das Unheil seinen Lauf. Die Hunde können nicht jeder seines Weges weiter gehen, sondern müssen sich mit der unangenehmen Situation auseinandersetzen. Hinzu kommt die Hilflosigkeit vieler Menschen, die entweder meinen, die Hunde würden das unter sich regeln oder die irgendetwas von Dominanzverhalten reden…
Seinem Hund also so schnell wie möglich aus der unangenehmen Situation heraushelfen. Passieren diese Anfeindungen ohne Leine, dann sollten einfach beide Parteien in unterschiedliche Richtungen zügig, ohne einzuschreiten, weitergehen. Bei uns funktioniert das, Paul kommt schnell, wir loben und feiern ihn für sein souveränes Verhalten. Das gibt Sicherheit für die Zukunft!

Große Pause nach der ersten Lehreinheit

Da hatten wir sie, die Lösungswege für unsere ersten Baustellen. Und Paul hat ganz schnell reagiert und das Gelernte umgesetzt. Für mich sehr faszinierend! Weil Eva Windisch nicht einfach nur anleitet, sondern ganz nebenbei Einblick in das Denken und Wesen der Hunde gibt. Für jeden verständlich. Und wenn sie merkt, dass es doch zu viel wird, kommt wie eine Befreiung ihr klares Statement: Hunde ahmen ihre Menschen nach! Wenn du etwas bestimmtes von deinem Hund willst, dann lebe es ihm vor! Entspannter Mensch, entspannter Hund!

Absolute Vorbildfunktion: Eva Windisch mit ihren vier Lieblingen

So durfte unsere weise Trainerin sich jetzt ein Bild von unserem Paul ohne Leine machen. In wunderschöner Natur auf einem Feldweg, flankiert von Kuhweiden, Wald und einem traumhaften Blick auf den Starnberger See und die Berge. Ich war unendlich erleichtert, dass mein Paul Eva Windischs Kennerblick standgehalten hat!
Denn davor war mir ein wenig mulmig! Ich dachte schon, dass wir Vieles in Pauls jungem Leben richtig gemacht haben. Aber, da ich Eva Windisch ja nun schon eine Weile verfolge, ihre Beiträge bei Facebook, und ich sie als die Einzige auserkoren habe, die uns im Umgang mit unserem Hund coachen kann und ein Urteil fällen darf, war ich auf ihre Einschätzung mehr als gespannt. Ich hatte damit gerechnet, dass sie vielleicht die ein oder andere Unsicherheit auf beiden Seiten entdeckt oder wo es an Bindung hapert. Und ich hätte diese Kritik jederzeit angenommen! Aber nein, wir haben einen sich vorbildlich entwickelten Hund, gesegnet mit einer gesunden Portion Aufmerksamkeit seinen Menschen gegenüber. Regelmäßig sah Paul sich nach uns um, wenn er vorausgelaufen ist und kam gerne zurück, wenn wir es mochten. Ansonsten durfte, beziehungsweise darf er sein Leben genießen, nach Lust und Laune schnüffeln, rennen, sich auf der Wiese wälzen, Kühe beobachten und alles registrieren, was um ihn herum geschieht.

Paul in der Eisdiele

Nach einer kurzen Pause, Paul sollte sich unbedingt ein wenig ausruhen, fuhren wir am Nachmittag nach Starnberg in eine Eisdiele. Darauf ruhte mein persönlicher Fokus, denn das Betteln und Stehlen waren unsere absolute Großbaustellen. Ich hatte Eva Windisch vor vielen Monaten einmal diesbezüglich angeschrieben. „Ressourcen, die nicht bewacht werden, gelten als freigegeben“, war ihre Antwort. Wir konnten es damals ohne ihre persönliche Anleitung nicht wirklich umsetzen, nur das Schlimmste verhindern, in dem wir einen gedeckten Tisch nie unbeaufsichtigt liessen. Mittlerweile wissen wir, wie es geht und es funktioniert! Das ist fast ein Wunder! Denn zumindest zuhause können wir in Ruhe essen. Paul liegt irgendwo und schläft. Meine größte Sorge hatten wir am schnellsten unter Kontrolle! Einfach nur, indem wir uns auf unser Essen konzentrieren und Paul damit signalisieren, dass es uns gehört. Kommt er von links oder rechts, versperren wir ihm mit einer Hand die Sicht. Er kommt erst an den Tisch, wenn wir fertig sind und er auf Reste spekuliert. Dann wird er durchaus auch wie gewohnt aufdringlich oder kontrolliert nach dem Abräumen, ob nicht noch Krümel auf dem Tisch auffindbar sind.

Es könnte noch ein Krümel auf dem Tisch liegen…

Nun sind in einer Eisdiele nicht nur die kulinarischen Reize das Problem, sondern auch andere Hunde, hektische Menschen und Kinder, Straßenlärm… Paul zerrt dann an der Leine und bellt. Ich war damals überfordert, bin es noch heute. Ich habe das meinen Mann machen lassen, weil er einfach der Kräftigere von uns beiden ist. In einem Straßencafé dürfen wir Paul natürlich nicht ausbellen lassen, bis er sich beruhigt hat. Sondern schnellstmöglich für Ruhe sorgen. Dafür muss man seinen Hund sehr genau kennen, wie man ihn beruhigen kann. Mit Leckerchen, Streichel- oder Kuscheleinheiten… Meinem Mann gelingt das mit einer speziellen Ohrmassage, da hat er den ultimativen Griff parat.
Ich kann Paul so schnell gar nicht zu mir her holen. Ich spüre seine Aufegregtheit und somit bin ich es ebenso. Die geballte Ladung an Außenreizen überfordert auch mich. Da haben wir ihn wieder, den berühmten Teufelskreis. Paul und ich unentspannt, dann noch mein meckernder Mann, weil ich Paul nicht im Griff habe und das Chaos ist perfekt!

Na, kommt da wer? Ist da was?


Ein Patentrezept gibt es nicht. Das erfordert Training, Training, Training. Insofern vermeide ich das gerade sehr gerne. Fällt das Wort „Eisdiele“ schrillen bei mir sofort die Alarmglocken. Am liebsten bin ich mit meinem Paul und meinem Mann alleine. Am besten kein Türklingeln und unsere gewohnten Abläufe, dann ist alles in Ordnung.
Nein, nicht wirklich. Ich weiß. Da brauchen wir, insbesondere ICH, die liebe Eva noch einmal ganz dringend!

Pauls 2. Schultag

Auf Tag 2 habe ich mich ganz besonders gefreut. Ich wußte, dass das Sozialverhalten Pauls absolute Kernkompetenz ist! Das liebe ich unglaublich an ihm. Wenn mein großer Schatz sich auf jede Hundebegegnung freut! Wenn seine lange, üppig behaarte Rute wie ein Propeller rotiert, weil er sich so über andere Hunde freut. Ob groß oder klein. Ob wild oder gemäßigt, Paul beherrscht die komplette Palette!

Hundemeile in München-Unterhaching: Hier herrscht absolutes Leinenverbot

Wir haben uns mit Eva Windisch und ihren vier wunderbaren Hunden in Unterhaching auf der sogenannten Hundemeile getroffen. Es handelt sich um ein ehemaliges Militärgelände, das für Freizeitaktivitäten freigegeben wurde. Unter anderem gibt es dort einen großzügigen Abschnitt für Menschen und ihre Hunde, mit der absoluten Besonderheit, dass dort Leinenverbot ist! Man kann es kaum glauben, welch entspannte Atmosphäre dort herrscht. Man fühlt sich wirklich wie in einer anderen Welt! Ausschließlich entspannte Menschen und noch entspanntere Hunde! Keine Blick auf die entgegenkommenden Spaziergänger, ob der Hund angeleint ist oder nicht… Keine Fahrräder, keine Jogger…
Paul konnte zuerst sein Glück gar nicht fassen. So viele Hunde! Er hat das in vollen Zügen genossen, konnte gar nicht genug bekommen, wusste gar nicht, wo er anfangen soll. Nicht eine einzige Auseinandersetzung, keine Anfeindung! Ausschließlich glücklichen Hunde. Ich habe noch nie so viele Hunde sich vor lauter Glück auf der Wiese wälzen sehen! Hatte etwas von einem Wunder- oder Abenteuerland.

Ausschließlich entspannte Begegnungen auf der Hundemeile

Auch hier sollte man sich mit Respekt begegnen und beiden Parteien die Möglichkeit geben, sich frei zu entscheiden, um man Kontakt haben möchte oder nicht. Deshalb am besten einen großen Bogen um entgegen kommende Menschen und Hunde machen.
Das durften wir alles von der belesenen Eva Windisch erfahren und das ist der Vorteil, wenn man Privatunterricht bei ihr hat. Sie hat ein unglaublich fundiertes Wissen, das ich wie ein Schwamm aufgesaugt habe. Jeden Blick, jede Körperhaltung, jede Rutenstellung, im Allgemeinen alles Hundeverhalten kann sie lesen und erklären. Sie hat mit so unglaublich vielen Mythen aufgeräumt, dass ich mich fast ein wenig schäme, so lange an sie geglaubt zu haben.

Das großzüge Umlaufen hat letztendlich Paul auch ein wenig die Aufregung und den Druck genommen, nicht jeden Artgenossen begrüßen und beschnuppern zu müssen. Außerdem hatte Paul mit den vier Hündinnen von Eva Windisch seinen eigenen Harem dabei, eine wunderhübsche weiße Schäferhündin und drei entzückende Chihuahuas.

Paul liebt alle Hunde, ganz besonders aber die kleinen

Das war schon alles perfekt organisiert. Am ersten Tag die Leinenführigkeit und -begegnungen und schließlich die Eisdiele. Dazwischen eine kurze Pause in der Paul sich etwas erholen konnte. Natürlich hat er gespürt, dass er im Mittelpunkt stand und er nicht in seinem gewohnten Alltag war. Und dass auch ich angespannt war. Weil ich weiß, dass Pauls Unsicherheit in mir seinen Ursprung findet. Weil ich nicht weiß, welches Verhalten ich in bestimmten Situationen erbringen muss, um meinen Hund sicher durch alle Lebenslagen zu begleiten. Weil ich Jahrzehnte von falschen Vorraussetzungen und Charakterstudien ausgegangen bin. Das muss sich natürlich auch bei mir erst alles festsetzen.

Ganz schön viel los auf der Hundemeile: Paul macht Pause

Ich war schon ganz schön stolz auf mein Paulchen. Und nach all meiner Vorfreude auf die beiden Trainingstage und Anspannung auch erleichtert, dass Eva Windisch überzeugt ist, dass Paul auf dem richtigen Weg ist und ein großartiger erwachsener Hund sein wird!

Paul im kühlen Nass: DER krönende Abschluss zweier aufregender Tage!

Es war Pauls erste Ausnahmesituation seit er auf dieser schönen Erde weilt: zwei ganze Trainingstage! Alle Augen ständig auf ihn gerichtet, nichts entging dem geschulten Auge der aufmerksamen Hundetrainerin. Alles getreu Eva Windischs Motto: Mit Hunden sein. Es wäre nicht Eva Windisch, könnte sie nicht die Gedanken unserer Lieblinge lesen und spüren, wann es Zeit für den Schlusstrich ist. Und so war eine idylllische Wasserstelle am Ende der Hundemeile, die perfekte Abschlussparty für Paul! Ich hatte genau hingehört und konnte ein ganz leises Zischen seines erhitzten Gemütes wahrnehmen als er so im Wasser stand…

Fazit

Paul, mein Mann und ich bedanken uns ganz herzlich bei Eva Windisch, die meine Erwartungen sogar noch übertroffen hat! Bis heute, nach über drei Wochen, seit wir zwei wundervolle Tagen mit ihr verbringen durften, denke ich tagtäglich an die unzähligen interessanten und gleichermaßen erstaunlichen Lektionen, die wir lernen durften! Damit ich sie verinnerliche und spontan abrufen kann.
Ich bewundere Eva Windisch sehr für ihren sicheren Umgang, ihr immenses Wissen und vor allem für ihre vorbildliche Gelassenheit! Denn es gibt viel zu tun! Ich sehe es als kleinen Kampf gegen die Windmühlen, die überwiegende Mehrheit der Hundehalter an eine neue Art der Erziehung heranzuführen: freundschaftlich, auf Augenhöhe, freundlich. Weg vom Rudelführer, Grundgehorsam und Befehlston. Zu viel „Köche“ aus der ganzen Welt haben gerade in den letzten Jahren den Brei gehörig verdorben…

Alle Ohren auf Empfang, denn Eva Windisch weiß, wie Hunde ticken

Mich hast du überzeugt, liebe Eva! Der Erfolg gibt uns recht. Paul glänzt mittlerweile mit vorbildlichen Tischmanieren.
Was immer noch nicht passt, das mache ICH einfach noch nicht richtig und kann es daher meinem Hund nicht entsprechend vermitteln. Insofern ist es eine große Beruhigung für mich, dass man Eva Windisch zu jeder Zeit schriftlich wie telefonisch für Rückfragen erreichen kann! Und man dabei nie das Gefühl hat, ungelegen zu kommen oder unfähig zu sein! Für relaxte Leinenbegegnungen und Eisdielenbesuche werden wir also noch einmal ein paar Lehr-Stunden einplanen.

Was meinen mehr als positiven Eindruck abrundet: Ein Sprichwort sagt, dass der Schuster die schlechtesten Schuhe hat. Trifft leider ganz oft zu!

Eva Windischs Chihuhuas oder aller guten Dinge sind Drei


Wir hatten vor vielen, vielen Jahre eine ebenfalls private Hundetrainerin für Pauls Vorgängerin. Beim zweiten Treffen hatte die Trainerin ihre zwar äußerst brave, aber sehr gestresste Hündin aus Demonstrationszwecken dabei. Wir waren entsetzt und sehr traurig, sodass es zu einem dritten Treffen nicht mehr kam.

Anders bei Eva Windisch. Hey, vier Hunde! Ich war sehr berührt, wieviel Liebe da in der Luft lag. Wie reibungslos alles abgelaufen ist! Das Treffen mit Paul, das Anleinen, unser gemeinsamer Spaziergang, unser Aufenthalt in einem Straßencafé. Ganz artig saßen sie auf ihrem Stuhl oder lagen auf dem Boden. Sehr rührend, wie alle vier ihr Frauchen angehimmelt haben, wie sie die zärtlichen Berührungen genossen haben!

Eva Windisch weiße Schäferhündin Bianca

Kein Betteln während des Essens, kein Gekläffe. 1 Mensch mit 4 Hunden an ihren Leinen und kein Gerangel oder Chaos.
Im Vorfeld, weil ich wußte, dass Eva Windisch ihre Hunde dabei haben würde, machte ich mir mehr Gedanken, wie Paul auf die Meute reagieren würde. Ob er sich überhaupt noch auf seine Schule konzentrieren kann. Er konnte! Ich denke, dass diese Atmosphäre auf ihn abgefärbt hat oder dass Artgenossen einfach die allerbesten Lehrer sind. War sehr schön zu sehen, wie fünf Hunde und drei Menschen miteinander harmonieren. Auch und vor allem im Straßencafé! Das werden wir in Bälde wiederholen müssen, denn so ganz hat Paul diese Entspannung ohne Eva Windisch und seine vier Freunde noch nicht verinnerlicht. Aber auch das bekommen wir in den Griff, ich werde berichten!

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