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Wan Tan – Asiatische Teigtaschen mit Gemüsefüllung

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Was soll ich sagen – man hätte ja nur die Hälfte zu erzählen, wenn alles auf Anhieb klappen würde. Wäre Paul zum Beispiel ein unkompliziertes Schätzchen, würde ich auch nicht so viel über ihn sprechen oder schreiben. Wir hätten nicht so viel zu lachen, weniger Erfolgserlebnisse, weniger Adrenalinschübe würde alles wie am Schnürchen laufen. Und mal Hand aufs Herz, wer ist denn bitte nicht erleichtert, dass es irgendwo da draußen Gleichgesinnte gibt, die nicht von Geburt an die reinkarnierte Perfektion sind? Mich zumindest erleichtert es, dass wir nicht die einzigen auf der Welt sind, die sich einen Kopf darum machen, wie man es am besten schafft, einen Hund glücklich, entspannt und natürlich auch gesellschaftsfähig großzuziehen.

Saftige Wan Tans in einer leicht scharfen Chilibrühe

So ist das auch manchmal bei meinen Rezepten. Bei den Gnocchis habe ich ein Vielzahl formen müssen, bis sie fotogen genug waren. Bei den Frühlingsrollen war ich froh, dass ich eine professionelle Thailänderin an meiner Seite hatte, die mir geduldig zur Seite stand, bis ich den Dreh, beziehungsweise die Wickeltechnik, heraus hatte.
Letztendlich ist es aber der Spaß am Selbermachen und die echte Handarbeit, die nun einmal anders aussieht, als von der Maschine gemacht.

Ich bin nur leidenschaftliche Hobbyköchin und kein Profi. Trotzdem schmeckt es mir daheim am Besten, weil ich mir vielleicht auch mehr Mühe gebe, als ein Koch. Nicht jeder Koch steht mit Leidenschaft sieben Tage die Woche, 10 Stunden täglich hinterm Herd. Ich kann es ihm nicht verdenken.

Aber es gibt Ausnahmen. Wir waren mal wieder in Hamburg und dort hat man, egal in welchem Stadtteil man sich gerade aufhält, die Qual der Wahl an veganen Restaurants, Cafés oder Bistros aller Nationalitäten. Unglaublich innovativ und inspirierend! Ich liebe es! Alles in bester Qualität! Alle mit Liebe zu ihrem Tun und zu allen Lebewesen bei der Sache. Das würde ich mir so sehr in unserer Kleinstadt wünschen. Denn wir sind hier immer noch auf dem Stand: veganer Kuchen läuft nicht, statt Pflanzenmilch im Kaffee, könne ich doch Tee trinken.

Vom Drang, immer alles selber machen zu müssen

Wir haben also ein paar Tage kulinarische Highlights genossen und wieder daheim, habe ich mich der Herausforderung gestellt, Wan Tan selber zu machen. Damit der Genuss und die Vorfreude aufs Essen erhalten bleiben.

Wan Tan sind übrigens Teigtaschen aus der chinesischen Küche. Zur Herstellung der Wan Tan werden die Zutaten für die Füllung zerkleinert, gewürzt und normalerweise vorgegart. Ich habe auf das Vorgaren verzichtet, weil ich es mag, wenn das Gemüse noch etwas Biss hat. Dann muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass die Füllung komplett abgekühlt wird, weil sonst die Teigblätter aufweichen und reißen. Anschließend wird die Füllung nach einer bestimmten Technik mit Teigblättern umhüllt.
Die Teigblätter sind relativ dünn, sind meist quadratisch und haben eine Seitenlänge von etwa neun Zentimeter. Als regionale Spezialität haben Wan Tan in China nicht nur unterschiedliche Namen. Sie können je nach Region unterschiedliche Formen haben. Je nach Technik können so rundliche, halbrunde, dreieckige oder schiffchenähnliche Wan Tan geformt werden.

Bei der Zubereitung werden die Wan Tan entweder in einem Dampfbad in Körbchen oder in einer heißen Brühe bzw. heißem Wasserbad fertig gegart, anschließend in einem Körbchen serviert oder einer Suppe beigegeben, der Wan-Tan-Suppe.

Selbstgemachte Wan Tans


Damit komme ich zum Thema Perfektion zurück. Hätte ich doch mal ein Foto von meinen ersten Versuchen gemacht. Aber ich will hier nur Schönes und Appetitliches veröffentlichen…

Bei meinen Kürbisravioli war ich begeistert, dass es so einfach ist, Teig selber zu machen. Einfach nur Wasser und Mehl mischen, ausrollen und voilà, die perfekte Teigtasche. Diese hatte ich bei der Planung im Hinterkopf, auch den Teig für die Wan Tan selber zu machen. Habe ich. Ich erwähne die Zutaten und die theoretische Zubereitung auch im Rezept. Wer möchte, kann es versuchen. Vielleicht habe ich mich wirklich zu doof angestellt und ihr seid geschickter.
Für mich war diese Erfahrung jedoch der Beweis, dass man nicht alles selber machen muss. Dass es kein Weltuntergang ist, wenn man sich die fertigen Teigblätter im Asia- oder Biomarkt besorgt, notfalls via Internet.

Wan Tans mit fertig gekauften Teigblättern, Füllung und Brühe selbstgemacht


Obwohl ich zunächst von der Konsistenz begeistert war, ausrollen ließ der Teig sich auch noch, endete das Projekt in einem Desaster. Der Teig klebte trotz ausreichend Mehl an der Unterlage fest. Schließlich riss er beim Befüllen, verkleben ließen sich die Ränder auch nicht wirklich. Was ich meinem Mann als Sensation angekündigt hatte, auf die er sich am Abend freuen dürfe, endete in einem abenteuerlichen Sammelsurium an Seltsamkeiten in einer trotzdem liebevoll angerichteten Schale. Da der Geschmack mit der Optik glücklicherweise rein gar nichts zu tun hatte, beschloss ich einen zweiten Versuch mit fertigen Wan Tan-Blättern aus dem Gefrierschrank. Meine Welt war nach einer unruhigen Nacht und einem angekratzten Ego, weil ich das Projekt Wan Tan nicht aufgeben wollte, wieder einigermaßen in Ordnung.

Für die Füllung ist übrigens alles (saisonales) Gemüse möglich, das man mag oder das auf seine Verarbeitung wartet und weg muss.

Rezept für Wan Tan mit Gemüsefüllung

Für etwa 30 Stück, beziehungsweise 2 Personen

Zutaten:

Für den Teig:

  • 260 Gramm Mehl
  • 1 Prise Salz
  • ca. 10 EL kaltes Wasser

Für die Füllung:

  • 1 kleiner Kohlrabi
  • 1 Karotte
  • 10 Champignons
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 1 walnussgroßes Stück Ingwer
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 EL Sesamöl
  • 2 EL Soyasauce
  • 1 EL Reisessig
  • 1 EL Agavendicksaft

Für die Brühe zum Anrichten:

  • 150 ml Kochwasser von den Wan Tan
  • 2 TL Sriracha (scharfe Chilisauce)
  • 1 EL Sojasauce
  • 1 EL Teryakisauce
  • 1 Prise Rohrohrzucker

Zubereitung:

Für den Teig Mehl, Salz und Wasser mischen und 5 Minuten kneten. 30 Minuten ruhen lassen, dann auf einer gut bemehlten Fläche so dünn wie möglich ausrollen und 9 x 9 cm große Quadrate ausschneiden.

Für die Füllung den Kohlrabi und die Karotte schälen, Champignons abbürsten. Jeweils in einem Multizerkleinerer schreddern oder mit dem Messer so fein wie möglich hacken.
Den Ingwer reiben, den Knoblauch pressen, die Frühlingszwiebeln in sehr feine Ringe schneiden.
Alles in eine Schüssel geben und mischen. Mit Sesamöl, Reisessig, Sojasauce und Agavendicksaft abschmecken. Gegebenenfalls mit etwas Salz oder Sojasauce nachwürzen.

Da die Füllung von fester Konsistenz sein sollte, lasse ich sie in einem feinen Sieb abtropfen. Ein Teil der Flüssigkeit kann später der Brühe zugegeben werden, die man zum Anrichten zubereitet.

Die Falt- oder Wickeltechnik:

Wer fertige Wan Tan-Blätter verwendet, sollte sie mindestens eine Stunde vorher aus dem Gefrierfach nehmen und sie auftauen lassen. Entnimmt man sie aus ihrer Verpackung und während man die Wan Tans zubereitet, sollte man die nicht benötigten Blätter mit einem feuchten Handtuch abdecken, damit sie nicht austrocknen und reißen.

Schritt 1:

Das Teigblatt wie auf dem Bild auf die Arbeitsfläche oder in die Hand legen. Ein kleine Schale mit Wasser bereit stellen, um die Ränder zu verkleben.

Schritt 2:


Einen schwach gehäuften Teelöffel der Füllung in die Mitte des Teigblattes geben und festdrücken. Die Teigränder dünn mit Wasser benetzen. Das gelingt am besten mit dem Finger.

Schritt 3:

Die untere Ecke zur oberen Ecke hin falten, mit Daumen und Zeigefinger zunächst rund um die Füllung drücken, dann die Ränder verschließen.

Schritt 4:

Schließlich noch die Seiten zueinander klappen, als würden sie sich umarmen und ebenfalls mit Wasser verkleben und festdrücken.

Wasser zum Kochen bringen und jeweils nicht mehr als 10 Wan Tan aufeinmal darin für etwa 2 Minuten garen. Mit einem Schaumlöffel in eine große Schale geben und die restlichen Wan Tan kochen.

Für die Brühe das Nudelwasser, Sriracha, Sojasauce, Teryakisauce und Zucker gut miteinander verquirlen. Abschmecken. Ich gebe noch ein paar Esslöffel der Abtropfflüssigkeit der Füllung dazu.
Wan Tan in einer Schale anrichten und Brühe darüber geben.

Tipp: Bei mir waren noch Wan Tan, Füllung, Brühe und Abtropfwasser übrig. Diese habe ich am nächsten Tag als Suppe serviert.
Brühe, Abtropfwasser und Füllung kurz aufkochen, die Wan Tan dazu geben und in 2 Minuten gar ziehen lassen.

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