Original schwäbische Spätzle mit Linsen
Ich hatte sie schon lange auf meiner Agenda, bestimmt schon drei Jahre. Dann verspürte ich die Tage den dringenden Impuls, mich endlich heranzuwagen, an die Spätzle, eine der beliebtesten Beilagen der Deutschen und Schweizer, bei denen sie Spätzli genannt werden.
Darf ich meine Version der Spätzle überhaupt ‚original schwäbisch‘ nennen? Denn traditionell werden sie natürlich mit Ei gemacht. Aber bei Pfannkuchen, Crêpes und Schupfnudeln habe ich bereits die Erfahrung machen dürfen, dass Hühner sich völlig umsonst diese Vielzahl an Eiern aus ihren zierlichen Körpern pressen müssen, denn niemand würde den Unterschied schmecken. Im Gegenteil, an Fluffigkeit und Stabilität geht nichts verloren. Teilweise entfällt sogar ein störendes Nebenaroma, wie zum Beispiel bei der Quiche Lorraine, dort sorgt übrigens Seidentofu für Stabilität.

Ich erlaube mir einfach die Freiheit, sie als ‚original schwäbisch‘ zu bezeichnen, weil ich mir erstens sicher bin, dass keiner den Unterschied schmecken würde. Zweitens rette ich Leben und vermeide Schmerzen, was der bei weitem viel wichtigere Grund ist.
Hühner, die einfach Huhn sein dürfen und in ihrer Natürlichkeit belassen sind, legen durchschnittlich ein Ei im Monat. Die Hühner in den Legebatterien grausame 300! Über 90 Prozent der Legehennen aus der Massentierhaltung brechen dabei die filigranen Knochen. Weil sie XXL-Eier aus ihren zarten Körpern pressen müssen und das Kalzium, das für die Schalen gebraucht wird, ihren Knochen entzogen wird. Vielleicht können diese Tatsachen zum Umdenken anregen, es einfach mal zu probieren und nicht bockig darauf zu beharren, dass in „gscheite“ Spätzle Eier hineingehören.
Mein Vorteil zu KI dabei ist, dass ich ehrlich und genau über meine Erfahrungen und die Gelingsicherheit berichten kann. Ganz genau darauf hinweise, was zu beachten ist.
Ich habe überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben Spätzle gemacht. Davon abgesehen, dass ich einer 80jährigen Schwäbin, die berüchtigt für die Zubereitung der Teigspeise war, einmal dabei über die Schulter schauen durfte. Das ist bestimmt schon 30 Jahre her, trotzdem konnte ich mich ganz genau an die Konsistenz des Teiges erinnern und schließlich an die Technik, mit der er von einem Brett geschabt wurde. Spätzle werden nämlich geschabt, nicht durch eine Presse gedrückt. Ansonsten heißen sie Knöpfle, weil die Form eher runden, gestauchten Knöpfen ähnelt.

Ich hatte zuerst vor, die Spätzle durch eine Spätzlepresse zu geben. Dachte das ginge schneller und wäre einfacher in der Zubereitung. Allerdings ist das Verfrachten des Teiges in die Presse, was ohnehin nur in sehr kleinen Mengen möglich ist, eine äußerst klebrige Angelegenheit und schließlich auch mit einiger Muskelkraft verbunden. Das Schaben vom Brett, wenn man den Dreh erst einmal heraus hat, ist die mit Abstand einfachere Variante. Noch dazu bekommt man so die Spätzle in ihrer typischen Form.
Wenn schließlich die Konsistenz des Teiges passt, was die einzige Herausforderung dieses Rezeptes ist, geht der Rest ganz fix – Wasser zum Kochen bringen, Teig auf ein Brett streichen und von dort die Spätzle in flachem Winkel in schmalen Streifen direkt ins Wasser schaben.
Mein erster Versuch der Spätzle-Produktion war gleich ein voller Erfolg, ich konnte es selbst kaum glauben. Optisch einwandfrei (Farbe und Form), von der Konsistenz perfekt (schön zart). Zum Nachmachen zweifelsfrei empfohlen.

Traditionell werden Spätzle mit Linsen serviert. Für mich eine perfekte Kombination und eine große Erleichterung, da man keine Alternative für Fleisch oder Wurst finden muss und nicht das Gefühl entsteht, dass man eine Beilage isst. Wenn man bedenkt, dass doch ein wenig Arbeit und Aufwand dahinter stecken, so haben es diese selbstgemachten Spätzle verdient, im Mittelpunkt zu stehen.
Gerne werden Spätzle in Semmelbrösel geschwenkt. Hier habe ich den absoluten Geheimtipp, den ich demnächst mit einem gesonderten Beitrag würdigen und vorstellen werde. Denn Semmelbrösel sind nicht gleich Semmelbrösel. So sind selbstgeschredderte Brösel aus sehr gutem Bio-Dinkeltoast, die in reichlich Olivenöl geröstet und mit Knoblauch und Zitronenabbrieb aromatisiert werden, eine unbeschreibliche Veredelung. In diesem Fall für die Spätzle, im Allgemeinen für alle Pastagerichte.
Die Spätzle werden in reichlich Margarine angebraten bis eine Kruste entsteht, mit reichlich Semmelbrösel gemischt und fertig gebraten. Dazu ein bunter Salatteller und man fühlt sich wie Gott im Schwabenländle.
Rezept für Original schwäbische Spätzle mit Linsen
Rezept für 4 Personen (reichlich)
Zutaten
Für die Linsen:
- 250 Gramm Berglinsen
- 4 EL Pflanzenöl
- 1 rote Zwiebel
- 2 Stück Stangensellerie
- 2 Karotten
- 1 TL Liebstöckel, getrocknet
- Gemüsebrühe
- Salz
- frisch gemahlener Pfeffer
Für die Spätzle:
- 500 Gramm Dinkelmehl (Typ 630)
- 100 Gramm Hartweizengrieß
- 2 TL Salz
- mindestens 400 ml Hafermilch
- 1/4 TL Kurkuma (für die Farbe)
- 2 gestrichene TL Salz
- 1/4 TL Muskatnuss

Zubereitung
Für das Linsengemüse die Berglinsen mit 750 ml Wasser aufkochen und auf der kleinsten Stufe 30 Minuten garen.
In der Zwischenzeit Zwiebel in kleine Würfel schneiden, Stangensellerie in feine Scheiben und die Karotten würfeln. Das Gemüse in Öl anschwitzen, Liebstöckel dazu geben, damit er seine Aromen an das Öl abgibt.
Die Linsen untermischen, Gemüsebrühe nach Belieben dazugeben, damit es eine schöne Soße (aber keine Suppe) ergibt. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für die Spätzle Mehl, Griess, Salz, Kurkuma und Muskatnuss mischen, dann die Hafermilch dazugeben und mit dem Kochlöffel oder Küchenmaschine verrühren. Die Masse darf nicht zu fest sein, gegebenenfalls noch Flüssigkeit zugeben, sollte sich gut auf ein Brett streichen lassen.
Ich habe gelesen, dass man das Brett, bevor man den Spätzleteig darauf verteilt, in kochendes Wasser tauchen sollte. Das hat sich bei mir nicht bewährt, weil ich möchte, dass der Teig auf dem Brett kleben bleibt, während ich ihn darauf verstreiche. Ich habe das Brett allerdings vorher gut eingeölt.
Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen. Eine Schüssel mit kaltem Wasser daneben platzieren, um die Spätzle darin abzuschrecken.
Den Teig nun auf das Brett streichen. Nach unten dünn austreichen. Mit einem langen Messer dünne Streifen abteilen (siehe Foto oben) und im flachen Winkel ins Wasser streifen. Fällt der Teig nicht von alleine ab, die Klinge kurz ins kochende Wasser halten. Eine Portion schaben, sie dann mit einer Schaumkelle aus dem kochenden Wasser fischen und in der Schüssel mit dem kalten Wasser abschrecken. Die Spätzle brauchen nicht lange bis sie gar sind, schwimmen schnell oben.
Zwischendurch in ein Nudelsieb abschütten und wieder kaltes Wasser nachfüllen.
So lange wiederholen, bis der Teig verbraucht ist.
Das Schaben wird als schwierig bezeichnet, weshalb die Spätzlepresse oder der Spätzlehobel empfohlen werden. Ich bin da anderer Meinung, obwohl ich nicht der geborene Techniker und eher die Frau fürs Grobe bin. Das Schaben ist wirklich kein Hexenwerk und man hat den Dreh ganz schnell raus. Wichtig ist nur, dass die Teigschicht entsprechend dünn ist.
Die Spätzle vorm Anrichten mit dem Linsengemüse entweder noch einmal kurz in heißes Wasser geben oder in einer Pfanne in etwas Margarine schwenken oder anbraten.
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