Food,  Hauptgerichte

Würziger Linsenbraten mit Gemüse-Rotwein-Sauce

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Mein zweites veganes Weihnachten und wieder einen Schritt weiter, was die Menüplanung anbelangt. Letztes Jahr gab es Sommerrollen und Sushi. Dieses Jahr wollen wir es festlicher begehen.

Womit man mich jagen kann und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, es gibt in der Tat ‚Köche‘, die Gänse- oder Rinderbraten und Roastbeef vegan nachbauen – optisch! Mir würde der Bissen im Hals stecken bleiben, beziehungsweise würde ich ihn gar nicht runter bekommen.

Würziger Linsenbraten mit Walnüssen, Zwiebeln und Knoblauch

Ich kann es nicht oft genug sagen oder schreiben. Fleisch schmeckt nach nichts, nach rein gar nichts. Mit geschlossenen Augen würde man nicht schmecken, was man da isst. Es sind Gewürze und Kräuter (beides übrigens pflanzlich) und die Garmethode, die etwas Genießbares daraus machen. So macht man übrigens auch Tofu zu einer Köstlichkeit, schade dass sein Ruf so schlecht ist.

Genauso schlecht ist der Ruf des Veganers. Dabei denke ich gar nicht an Äußerlichkeiten, wie ihn sich der passionierte und vorurteilsbeladene Allesesser vorstellt. Wie oft werde ich bemitleidet und ich kann förmlich die Gedanken lesen, wie man mich vor einem Teller mit langweiligem Gemüse und blassem Tofu visualisiert.
Letzte Woche bin ich einer knapp 80jährigen Nachbarin begegnet, die ich für gar nicht so borniert gehalten hätte. Immerhin hat sie sich erst vor ein paar Jahren ein Smartphone zugelegt, um mit ihrer Familie, die in einem anderen Bundesland lebt, besser kommunizieren zu können. Die Rede kam auf Weihnachten und dass ihre Familie zu Besuch käme. Was sie allerdings schon jetzt stressen würde, weil diese Vegetarier sei. Wohl wissend, dass ich vegan bin, fügte sie schnell hinzu, dass ihre Kinder ihr gestohlen bleiben könnten, wenn sie vegan wären. Da stand ich wie ein begossener Pudel und wusste nicht, was ich dazu noch sagen sollte.

Festtagsbraten aus Linsen auf Soßenspiegel

So saß ich gerade beim Testessen mit meinem Mann am Tisch, vor uns jeweils ein Teller mit köstlichem Linsenbraten an einer würzigen Sauce, mit Kartoffelstampf und gebratenem Spitzkohl. Ich musste an dieses Gespräch zurück denken. Was meine voreingenommene Nachbarin wohl zu diesem Essen sagen würde?

Ich plane ein Kochbuch, irgendwann im nächsten Jahr. Fest steht, es wird keine Rezepte mit Tofu geben und ich werde an keiner Stelle das böse Wort ‚vegan‘ erwähnen. Auch nicht ‚tierleidfrei‘, damit kann ich die wenigsten beeindrucken. Ich bin mir sicher, dass viele es gar nicht merken werden. Was eigentlich? Wie muss man sich veganes Essen denn vorstellen? Traurig, dass ‚vegan‘ zum Unwort verkommen ist und mit schlechtem Essen gleichgesetzt wird.
Neulich auf Facebook hatte ich als Reaktion auf einen Kommentar, dass es schade um so eine attraktive und sympathische Frau wie mich sei. Vegan würde so gar nicht zu mir passen. Da hatte einer offensichtlich in meinem Profil gestöbert. Bin ich nicht genau deshalb sympathisch, weil ich alle Tiere liebe und nicht möchte, dass auch nur einem ein Haar gekrümmt wird? Ich trommele schließlich nicht nur und klage an, ich gebe mir mit all meinen Rezepten unglaublich viel Mühe, zu überzeugen.

In diesem Sinne muss man auch an Festtagen nicht auf einen Braten verzichten. Die Hauptzutat dieses Exemplars basiert allerdings nicht auf dem sinnlosen Tod eines Tieres, sondern auf proteinreichen Linsen.

Rezept für würzigen Linsenbraten mit Gemüse-Rotwein-Sauce

Für 4 Personen

Zutaten:

Für den Braten:

  • 300 g getrocknete Linsen
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 150 g gehackte Walnüsse
  • 2 Karotten
  • 1 Stange Porree
  • 50 g getrocknete Tomaten
  • 4 Esslöffel Leinsamen (geschrotet)
  • 4 EL Olivenöl
  • 1 TL Majoran
  • Salz
  • frisch gemahlener, schwarzer Pfeffer
  • 4 EL Agavendicksaft
  • 2 EL Ahornsirup
  • 2 EL Soja- oder Tamarisauce

Für die Bratensauce:

  • 4 Schalotten
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 kleine Sellerieknolle
  • 4 Karotten
  • 2 Pastinaken
  • 2 Tomaten
  • 1 milde Chillischote
  • 4 EL Olivenöl
  • 200 ml Rotwein
  • 400 ml Brühe

Zubereitung:

Linsen nach Packungsanweisung garen.

In der Zwischenzeit die Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett rösten, die Karotten raspeln, den Porree halbieren und in feine Scheiben schneiden, die getrockneten Tomaten klein hacken und den Leinsamen mit etwa 10 EL Wasser quellen lassen.

Die Linsen in ein Abtropfsieb schütten und gut mit Wasser nachspülen.

Die Zwiebeln und den Knoblauch fein hacken und in Olivenöl in einem ausreichend großen Bräter glasig dünsten. Die Linsen dazu geben, mit den Walnüssen, den Karotten, dem Lauch und den getrockneten Tomaten mischen. Das Ganze scharf anbraten, mit Majoran, Salz und Pfeffer würzen.
Zur Bindung den Leinsamen unterrühren. Ist die Leinsamenmasse nach dem Quellen zu fest, einfach mit etwas Wasser glatt rühren.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Für die Glasur den Agavendicksaft, den Ahornsirup und die Sojasauce gut miteinander verrühren.
Die Linsenmasse in einer mit Backpapier ausgelegten Kastenform verteilen, die Hälfte der Glasur darüber streichen und auf der mittleren Schiene für 1 Stunde in den Backofen schieben.
Nach der Hälfte der Zeit die restliche Glasur auf dem Braten verteilen.

Nach dem Backen sollte der Linsenbraten komplett auskühlen, damit er fest wird und sich später gut schneiden lässt.

Deftiger Linsenbraten, hier mit Ofengemüse und Kartoffelstampf

Für die Sauce die Schalotten, Karotten, Pastinaken, Tomaten, Chillischote, den Sellerie und den Knoblauch grob zerteilen, in eine ofenfeste Form füllen, mit dem Olivenöl mischen und zum Braten in den Ofen stellen.

Sobald das Gemüse goldgelb gebacken ist und sich ein leichter ‚Bratensaft‘ gebildet hat, mit dem Rotwein ablöschen und für weitere 10 Minuten im Backofen lassen.

Das geschmorte Backofengemüse mit der Rotweinreduktion in einen ausreichend großen Topf geben, das Ganze sehr fein pürieren und mit der Brühe bis zur gewünschten Konsistenz und Sämigkeit aufgießen.

Den ausgekühlten Braten aufschneiden und gegebenenfalls im warmen Backofen noch einmal kurz aufwärmen und mit der heißen Gemüse-Rotweinsauce servieren.


4 Kommentare

  • Cathrin

    Liebe Heike,
    vielen Dank für das wunderbare Rezept. Das klingt alles wieder sehr gut umsetzbar. Wenn du das aufschreibst, sieht man alles schon direkt vor sich. Sehr authentisch, das gefällt mir so an deinen Rezepten. Man merkt, dass du es wirklich alles selbst ausprobiert hast. Ich freue mich schon sehr auf das Buch!
    Viele liebe Grüße
    Cathrin

    • Heike Ermel

      Liebe Cathrin,

      was ich an deinen Kommentaren so sehr schätze, dass du mich verstanden hast! Genau das ist mein Anliegen: ehrliche Rezepte und die Bilder halten ihr Versprechen. Ich bin ja weder Koch, noch Konditor, möchte mich nicht profilieren. Einfach nur mit gutem Beispiel voran gehen, dass man nicht besonders talentiert sein muss, um Großartiges auf den Tisch zu bringen. Na ja, und dass veganes Essen ganz wunderbar schmeckt :-)))

      Herzliche Grüße
      Deine Heike

  • Cathrin

    Liebe Heike,
    ich sitze gerade am Küchentisch und esse die Reste, sehr, sehr lecker und aufgewärmt schmeckts genau so gut. Zum Glück sind noch genug Beilagen da, doch ich denke dass sich eine Scheibe des Linsenbratens auch gut als Brotbelag eignet, mit ein klein wenig Senf bestrichen und mit Gutke. Auch in einer veganen Bolognese könnte ich mir die angebratene Linsen-Gemüsemischung sehr gut vorstellen oder in einer Lasagne…
    Liebe Grüße Cathrin

    • Heike Ermel

      Liebe Cathrin,
      das ist lieb, dass du Bescheid gibst!Bei uns war es genauso, es ist noch eine Menge vom Braten übrig geblieben. Aber er ist wunderbar wandelbar, wie du sagst. Und er schmeckt auch kalt klasse. Zu einem Salat zum Beispiel. In einem Burger oder auf Brot macht er sich bestimmt auch gut – tolle Idee!

      Lieben Dank für dein Feedback und einen guten Rutsch in 2022!!!!

      Herzliche Grüße

      Heike

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